Das Schwedemännle


Mehrmals täglich bläst das Schwedenmännle vom alten Rathaus das Lied "Vom Barette schwankt die Feder"

Noten: Vom Barette schwankt die Feder


Er ist Karlstadts meistgehörter Musikant und Symbolfigur nicht nur für die Karschter Fasenachter. Seine Herkunft lag bisher ebenso im Dunkel wie sein Alter. Doch dank eines Archivfundes hat er endlich eine Geburtsurkunde.

Die Bürgermeisterrechnungen im Stadtarchiv halten ab 1638 nahezu lückenlos Einnahmen und Ausgaben des städtischen Haushaltes fest. Ein ständig wiederkehrender Posten ist - nicht erst in jüngster Zeit - der Gebäudeunterhalt für das Rathaus. Vor allem die Rathausuhr verursachte nicht nur Kosten für die ständige Wartung des noch heute erhaltenen komplizierten Räderwerks, sondern sie scheint den Räten weit über die unmittelbare Funktion hinaus lieb und teuer gewesen zu sein.

Mehrfach nahm man Anlauf, den soliden Zeitmesser am Rathausgiebel in eine Kunstuhr, ähnlich der des Ochsen- furter Rathauses umzuwandeln, scheiterte aber wohl immer wieder an der Unfähigkeit der beauftragten Uhrmacher.

Schwedenmännle1718 entschied man sich schließlich für eine Lösung, die fortan Bestand haben sollte. Da das bisherige Uhrwerk nicht mehr zu reparieren war, lieferte ein Uhrmacher aus Hammelburg ein neues. Gleichzeitig erhielt der Karlstadter Bildhauer Kilian Schüßler den Auftrag, "ein Männlein auf dem Rathaus" zu machen, wofür er drei Gulden, ein Pfund (= 30 Pfennig) und drei Pfennig erhalten sollte.
Nach heutiger Kaufkraft war das ein Betrag von etwa 150 €. Das Holz, aus dem das Männlein gehauen wurde, kostete zwei Pfund 24 Pfennige, also etwa 15 €.


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